Fahren mit dem 4WD
Auf unbefestigter Piste durch Australien
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Die Strecken, die wir bisher mit Allrad-getriebenen Fahrzeugen in Australien gefahren sind,
machen uns noch nicht zu Offroad-Experten, zumal wir das Auto möglichst nicht nahe am
Limit gefahren haben, denn es sollte ja noch eine weite Strecke halten. Für ähnlich
interessierte Leser, die auch auf "Überleben" getrimmt sind, haben wir hier ein paar
unserer Erfahrungen zusammengestellt.
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Gravel Roads
Etwa 3000 km der von uns 2006 gefahrenen Strecke war unbefestigt, d.h. ohne Asphalt-Decke.
Hier unterscheidet man noch die normalen "Gravel-Roads", die oft auch von Straßenfahrzeugen
befahren werden können (wenn auch nur sehr vorsichtig), und die reinen 4WD-Tracks, wo nicht
nur der Allradantrieb unbedingt von nöten ist, sondern auch die große Bodenfreiheit,
die so ein "Geländewagen" normalerweise hat.
Aber auch mit einem guten 4WD sollte man auf Gravel Roads vorsichtig fahren, denn selbst wenn
die Beschaffenheit der Straße mit dem 4WD eine Geschwindigkeit von 60 km/h oder mehr zulässt,
kann man sich nicht darauf verlassen, dass nicht plötzlich ein Hindernis auftaucht, das
ein Abbremsen bis in den Stand erfordert. Schneller fahren wir deshalb auf solchen Straßen nur
ungern, auch bei glatter Oberfläche, und nur, wenn sowohl die Straße, als auch ein breiter
Streifen zu beiden Seiten weit zu übersehen ist. Auf jeden Fall aber sollte man das Tempo
verringern, wenn einem ein Fahrzeug entgegenkommt. Gibt es lose Steine auf der Straße,
überschüttet man sonst den Entgegenkommenden mit einem Steinhagel, was nicht nur
Schäden am Fahrzeug (speziell an den Scheiben) verursachen kann, sondern auch die Insaßen
gefährdet. Auch wenn es keine Steine auf der Straße gibt, sieht man nach dem Passieren
eines Fahrzeugs zunächst nichts mehr, denn jedes Auto zieht auf den staubigen Strecken eine
erstaunlich lange Staubfahne hinter sich her. Teilweise mussten wir wirklich kurz anhalten,
da man nach dem Vorbeifahren eines anderen Autos nicht mehr sah, wo denn die Straße
verläuft. Daher: immer langsam passieren! Zusätzlich empfiehlt es sich,
auf Gravel Roads generell das
Fahrlicht einzuschalten, denn man wird in solchen Staubfahnen und auf der in der Hitze
flirrenden Piste besser gesehen, auch wenn die eigene Staubfahne oft schon kilometerweit
zu sehen ist.
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Corrugation
Eines der häufigen "Hindernisse" auf unbefestigten Pisten ist "Corrugation" -
in deutsch spricht man meist von "Wellblech-Piste". Es handelt sich um Wellen
in der Pisten-Oberfläche, die sich von selbst bilden - je stärker die
Piste befahren wird, umso schneller. Es ist schon viel über das Fahren
auf Corrugation geschrieben worden, und immer heißt es, man muss die
Resonanzfrequenz der Stoßdämpfer treffen. Das ist im Prinzip richtig,
und die Resonanzfrequenz scheint bei unserem Fahrzeug irgendwo zwischen 70
und 90 km/h zu liegen. Aber es hängt schon von der Art der Corrugation
ab: Manchmal, bei "leichter" Ausprägung, genügen schon 40 km/h, und man
merkt die Wellen kaum noch. Aber bei tiefen Wellen - wie im Bild links - hilft eigentlich
nur "heizen". Nur dürfen dann aber keine anderen Hindernisse (Steine, Löcher,
Schwellen, etc.) auftreten, denn wenn man für die abbremsen muss, dann springt das
Auto wie ein Reitpferd ;-). Also wenn solche Hindernisse auftreten können, ist die
Alternative, einfach langsam zu fahren. Das heißt dann aber oft, dass man auf
5 km/h herunter muss. Handelt es sich nur um ein relativ kurzes Stück, ziehen wir
fast immer die langsame Variante vor, denn die ist viel sicherer. Hat man noch 80 km
oder mehr von dieser Buckelpiste vor sich, dann sind 5 km/h wohl kaum eine Lösung,
aber man muss dann bei hoher Geschwindigkeit immer sehr vorsichtig und sehr aufmerksam
fahren, jederzeit bereit, hart abzubremsen.
Jedenfalls fällt Corrugation oft sehr unterschiedlich aus. Auf dem Weg zur Windjana Gorge
war zum Beispiel die "graue" Corrugation recht harmlos: ab 40 km/h fährt man
"wie auf Schienen", und die "rote" Corrugation echt schlimm: geht nur mit ziemlich
hohem Tempo, aber Hindernisse (Steine und Schwellen) hats da auch reichlich... Auch
auf der Kulumburu Road war die rote Corrugation echt übel: Trotz unserer Versuche,
das Auto zu schonen, hatten sich nach den etwa 60 km mit starker Corrugation
teilweise die Schrauben in unseren Möbeln im Camper herausgedreht, obwohl sich diese
keineswegs leicht wieder hineindrehen ließen.
Bleibt zu erwähnen, dass auch bei Corrugation ein niedrigerer Luftdruck zu empfehlen
ist, als bei Asphalt. Der Reifen "arbeitet" dann mehr, wird also wärmer, aber nicht
so heiß wie auf Asphalt. Dafür wird das ganze Auto irgendwie weicher... Eine
"Daumenregel" für den Luftdruck sagt, dass der Reifen durch das Fahren
nicht mehr als 10% Druck zulegen sollte, sonst ist er zu weich, und arbeitet zu viel.
Übrigens fahren wir alle Gravel-Roads immer mit aktiviertem Allrad-Antrieb (H4
natürlich, also ohne die Zusatz-Untersetzung). Viele Leute sagen, dass man Allrad
für die Gravel-Roads eigentlich nicht braucht, aber gerade bei Corrugation ist die
Seitenführung sehr schlecht, so dass man froh ist, wenn das Auto letztlich den
(angetriebenen) Vorderrädern folgt - vorausgesetzt, man fährt nicht zu schnell.
Erstaunlicherweise ist unser Diesel-Verbrauch bei aktiviertem H4 nicht merklich
höher als in H2, daher kostet es uns nichts, den Antrieb zu aktivieren - nur sollte
man nicht schneller als 80 km/h fahren, damit die Differentiale nicht überlastet
werden. Jedenfalls braucht unser Allrad-Camper mit Zweirad-Antrieb (H2) bei 100 km/h
mehr als mit Vierradantrieb (H4) im 2. Gang (20-30 km/h)!
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Steine
Steine sind natürlich bei einer unbefestigten Piste nichts Besonderes, aber auch hier
gibt es Unterschiede: Im Bild sieht man eine Passage mit losen Steinen, aber es sind auch
Steine fest in den Untergrund eingebettet.
Bei den losen Steinen könnten auch
spitze dabei sein, das heißt, besser Tempo 'runter, damit die Reifen mehr Zeit
zum Nachgeben haben. Tatsächlich haben wir eine ganze Reihe von Leuten unterwegs
getroffen, die alle von "Punctures", also von Reifenschäden durch spitze Steine
berichtet haben, aber soweit wir feststellen konnten, sind alle die mit den Löchern
in den Reifen auch ziemlich schnell gefahren ;-). Auch bei spitzen Steinen ist übrigens
ein niedrigerer Luftdruck hilfreich. Speziell auf der Gibb River Road gibt es manchmal
Passagen von einigen 100m, die nur aus einem dichten Bett grauer, spitzer Steine (meist Basalt)
bestehen. Hier hilft eigentlich nur, mit "schlappen" Reifen langsam(!) darüber zu fahren.
Die festen Steine im Bild sehen nicht sehr spitz aus. Falls es doch spitze Steine gibt,
die fest im Untergrund stecken, sollte man versuchen, darum herumzufahren. Aber Achtung:
auch das geht meist nur bei langsamen Tempo, denn das Auto hat auf steinigen Pisten wenig
Bodenkontakt, und die Reifen haben bei niedrigem Luftdruck auch nur wenig Seitenführung.
Daher neigt das Auto meist stark zum Übersteuern. Die helleren, glatten Steine
im Bild können übrigens auch "Schwellen" sein - recht hohe Stufen in der Fahrbahn,
die das Auto regelrecht abheben lassen, und zudem die Federung durchschlagen. Leider sind
diese Schwellen oft kaum auszumachen, erst wenn man schon sehr nahe ist - und es damit
zum Bremsen zu spät ist. Und das ist dann der zweithäufigste Schaden, den
man sich auf der Piste holt: wenn es kein Reifenschaden ist, gibt irgendwann der
Stoßdämpfer (oder gar die Feder an der Radaufhängung) auf. Corrugation und
zu spät erkannte Schwellen sind für Dämpfer und Federn manchmal wirklich
"mörderisch".
Oft findet man auch zahlreiche spitze Steine am Rande der Piste. Da der Track am Rand meist
nicht so stark ausgefahren und korrugiert ist, ist man oft verleitet, eben dort am Rand zu
fahren. Aber wenn es am Rand viele spitze Steine gibt - oder Staubwehen, die solche
verdecken könnten - wähle ich lieber die Corrugation in der Mitte, als die
spitzen Steine am Rand zu versuchen. Die spitzen Steine, speziell am Rand der Piste,
sind übrigens
ein Argument gegen niedrigen Luftdruck: Ein "schlapper" Reifen hat einen großen
Wulst, und hat damit eine größere Chance, von einem spitzen Randstein an
seiner empfindlichen Schulter aufgeschlitzt zu werden. Also: es ist immer ein Kompromiss ;-).
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Sand
Bei sandigen Passagen sind breite Reifen und ein starker Motor hilfreich. Leider haben
wir beides nicht. Aber auch mit breiten Reifen fährt man sich schnell fest, wenn man
nicht mit sehr niedrigem Luftdruck fährt. Bei wirklich weichem Sand - wie am Strand
oder an Flussbetten - muss man vorher solange Luft aus den Reifen ablassen, bis die Reifen
einen mächtigen Wulst aufweisen. Auf einem Campground, der von einer Farm betrieben wurde,
fand ich folgendes Schild: "Vor Befahren der weichsandigen Strecken ist der Luftdruck auf
18 PSI (etwas mehr als 1 BAR) abzulassen. Wer sich trotzdem festfährt zahlt 100$ für
das Freischleppen mit dem Traktor, und 500$, wenn der Reifendruck vorher nicht abgelassen wurde".
Außerdem ist der Widerstand beim Fahren in weichem Sand enorm. Hat man einen 5L V8 Motor
unter sich, mag man das entspannt sehen. Ich schalte jedoch vor(!) dem Beginn einer sandigen
Passage mindestens einen Gang herunter, damit ich mit hoher Drehzahl in den Sand hineinfahre.
Andernfalls sinkt die Drehzahl so schnell, dass man nicht mehr schnell genug herunterschalten
kann, und somit völlig zum Stillstand kommt. Ob man sich dann beim Anfahren im 1. Gang
nicht festfährt, ist dann die Frage. Also: Niedriger Luftdruck, hohe Drehzahl, und
möglichst gerade fahren (verringert den Widerstand).
Bei einer sandigen Passage wie auf dem Bild links wird man aber wohl den Luftdruck nicht
so weit senken wollen, denn hier gibt es oft auch Steine und Schwellen, die vom Sand
ziemlich verdeckt sein können. Und nicht zu schnell sollte man fahren, denn auf Sand
"eiert" das Auto enorm, und will in alle Richtungen ausbrechen. Allrad-Antrieb sollte
natürlich unbedingt eingeschaltet sein.
Aufpassen sollte man auch, wenn Zweige oder Wurzeln auf dem Track liegen - gerade Sand
verdeckt diese oftmals. Dieses Holz ist gefährlicher als man denkt: Nach einem
Buschbrand ist das Holz oft erstaunlich hart (durch Feuer gehärtet) und spröde.
Wenn der Vorderreifen das Holz beim Darüberfahren bricht, können die gesplitterten
Enden den Hinterreifen durchaus aufschlitzen.
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Tiefer Sand
Richtig tiefer, weicher Sand, wie im Bild links, ist dann noch etwas ganz anderes
als ein sandiger Track wie im Bild oben. Hier gibt es keinen harten Untergrund mehr,
und man hat keine Chance, mit Schwung darüber zu kommen. Auch ein starker Motor
wird den enormen Widerstand der halb eingegrabenen Räder kaum überwinden können.
Hier hilft nur der "Low Range", also die Zusatz-Untersetzung (L4). Ist diese aktiviert, können
wir noch maximal 25 km/h fahren (im 5. Gang), aber manchmal muss man trotzdem bis in den ersten
Gang herunter, um sich ganz langsam durch den Tiefsand zu mahlen. Bloss nicht zu viel Gas geben,
da bei durchdrehenden Rädern der Gripp abnimmt. Stattdessen lieber im Low Range mit
möglichst geringer Drehzahl langsam hindurch. Auf dem Bild ist zu erkennen, wie tief
selbst Fussabdrücke bei diesem Untergund werden, und dann soll der Camper mit seinen
etwa 3 Tonnen da hinüber! Wenn alles nichts hilft, kann man nur weiter Druck aus den
Reifen ablassen, im Extremfall bis 10 PSI. Aber Vorsicht: Ein so schlapper Reifen kann leicht
von der Felge gedrückt werden, und selbst eine kleine Unebenheit kann ihn bis auf
die Felge durchschlagen.
Daher bloss keine großen Lenkeinschläge, ganz
langsam fahren, und direkt nach der schwierigsten Passage wieder etwas aufpumpen (wohl dem,
der einen Kompressor hat).
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Flussdurchfahrten (River Crossings)
Das muss ja Spass machen: mit dem Auto durch den Fluss fahren! Aber meist hat man
doch ein mulmiges Gefühl, bevor man sich in die Fluten stürzt. Schon so
manches Fahrzeug ging bei einer mißglückten Crossing verloren, und in
den Flüssen, in denen meist Salzwasser-Krokodile heimisch sind, möchte
man auch nicht gerne aussteigen ;-)
Also auch wenn man mit Allrad-Antrieb und Ansaug-Schnorchel ausgerüstet ist,
sollte man nicht einfach in den Bach hineinfahren. Wichtig ist, dass man eine Furt
findet, die keine tiefen Löcher, weiche Schlamm-Gruben, abschüssige Ränder,
oder sonstige Hindernisse aufweist. Am besten prüft man das zunächst zu Fuss!
Bei steinigem Grund kann der Beifahrer vorauswaten, und das Auto folgt - so ist auch
die Krokodil-Gefahr etwas geringer. Bei weichem Grund muss man natürlich mit etwas
"Schwung" durchfahren - bloss nicht zu langsam werden. Dann muss man vorher die Furt
durchwaten; alternativ kann man natürlich warten, bis ein anderes Auto kommt,
und schauen, wie (und wo!) es durchkommt.
Auf jeden Fall sollte man die Zusatz-Untersetzung aktivieren (L4-Gang). Meist ist dann
der 2. Gang eine gute Wahl (5-10 km/h). Und das mit dem "Schwung" sollte man nicht
überteiben: je schneller man fährt, umso größer ist die "Bugwelle"
des Autos, d.h. um so höher steigt das Wasser vorne im Motorraum. Wenn es
beim Durchwaten wirklich
kritisch aussieht, kann man eine Plane (die man hoffentlich dabei hat) vorne über
die Kühler-Front des Autos spannen, das schiebt das Wasser etwas und hält den
Pegel im Motorraum niedrig.
"Brenzlig" wir es auf jeden Fall, wenn die Elektrik (Lichtmaschine, etc.) ins Wasser
gerät. Dann kann schon einiges kaputt gehen. Gut dem, der einen Diesel fährt:
selbst wenn die Elektrik "britzelt", wird der Motor, der kein Zündsystem hat, wohl
weiterlaufen, solange noch Treibstoff im Einspritzer ist. Nach den Schäden kann man
dann ja schauen, wenn man wieder auf dem Trockenen ist ;-).
Es ist auch keine schlechte Idee, das Auto vor der Durchquerung ersteinmal etwas abkühlen
zu lassen. Nach Fahrten im Gelände ist der Motor meist ziemlich heiß, und die
plötzliche Abkühlung durch Flusswasser kann schon zu Schäden führen
(Auspuff, Ölwanne, etc.). Und während der Fahrt durchs Wasser nicht schalten
oder kuppeln! Es heißt, dann könne Wasser in die Kupplung kommen, und dann rutscht
sie und man kommt zum Stehen - allerdings bin ich bisher nie auf die Idee gekommen, im Wasser
zu schalten. Man sollte sich schon vorher den Gang überlegen, und dann in diesem Gang
ohne Stopp durchfahren.
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Flussbetten
Die Durchquerung von Flussbetten ist meist schwierig, ob nun Wasser im Fluss ist,
oder nicht. Denn am Rand des Flussbetts finden sich meist steile Abhänge mit grobem
Geröll und großen Steinen. Die Steine sind meist vom Wasser glatt geschliffen,
aber besonders bei steilen Anstiegen (auch "jump-up" genannt, wie im hinteren Teil des Bilds)
ist mehr der Gripp das Problem. Besser man sieht sich
das zu Fuss an, bevor man in das Flussbett hineinfährt. Es kann auch hilfreich sein, wenn
man wartet, bis die Reifen trocken sind, bevor man den Anstieg wagt, denn so ist der Gripp
besser. Auf jeden Fall sollte man sich seinen Weg durch die Steine vorher zurechtlegen,
denn Anhalten ist riskant, wenn man einmal auf der Steigung ist.
Auf keinen Fall sollte der
Wagen rückwärts rutschen, denn dabei kann man sich viel kaputt fahren, da die
meisten Abweiser und Bleche unter dem Auto dann nicht mehr schützen. Gibt es keinen
geraden Weg durch die Steine,
sollte der Beifahrer sich oben an die Steigung stellen, und das Auto dirigieren,
denn als Fahrer sieht man beim steilen Anstieg nichts mehr von den Steinen, die direkt
vor einem liegen. Also dann: L4 (Low-Range Gang) aktivieren, und gaaanz langsam hinauf.
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Tiere
Bisher haben wir auf unseren Fahrten schon so einiges Getier auf oder direkt neben
der Piste gesehen (auch bei Asphalt-Pisten):
Rinder, Schafe, Känguruhs, Emus, Kamele, Pferde... Das ist
schon gefährlich, denn selbst wer die Front seines Autos mit "Bull-Bars"
(die Aussies sagen meist "Roo-Bars", für Kangaroo-Bars) geschützt hat,
wird den Zusammenstoß mit einem Känguruh bei 60 km/h wohl kaum ohne Schäden
(hoffentlich nur beim Känguruh und beim Auto) überstehen. Während
Rinder und Kamele meist eher träge irgendwo im Weg herumstehen, sind besonders
Känguruhs und Schafe unberechenbar: Manchmal verlassen sie die Piste, wenn sich
das Auto nähert, nur um einem im letzten Moment doch noch vor den Kühler
zu springen. Känguruhs sind zudem ziemlich schnell, und schlagen Haken, leider
oft in die falsche Richtung ;-).
Da hilft also nur: vorsichtig fahren! Das gilt auch, wenn man keine Tiere sieht,
aber der Rand der Piste durch Büsche, Bäume, Felsen, etc. nicht eingesehen
werden kann. Speziell Känguruhs sind oft gut getarnt, und insbesondere in der
Dämmerung aktiv. Das ist der Grund, warum man in der Dämmerung besser nicht
auf solchen Pisten fährt, und wenn es unbedingt sein muss, dann wirklich langsam
und vorsichtig. Durch die langen Schatten ist es dann schon schwierig genug, die Hindernisse
auf der Piste auszumachen, während man am Pistenrand meist nichts sehen kann.
Wenn man sich anschaut, wieviele Tier-Kadaver morgens auf einer viel befahrenen Strecke
wie dem Stuart Highway herumliegen (meist Känguruhs), kann man sich ein Bild
davon machen, was hier bei Dämmerung so los ist. Und die Road Trains fahren Tag und
Nacht, bremsen für niemanden (geht meist sowieso nicht). Ihre Roo-Bars sind deshalb
besonders groß und stabil ;-).
Auch diese Kadaver bergen noch eine Gefahr: Sie sind meist von einem ganzen Haufen
Greifvögel belagert, die sich in der Nähe solcher Strecken fast ganz auf
"Essen unter Rädern" umgestellt haben. Sie lassen sich meist ungern bei ihrem
Mahl stören, und fliegen nicht gleich davon, wenn sich ein Auto nähert.
Wer sich langsam nähert, bekommt vielleicht ein schönes Bild von diesen
mächtigen Vögeln, aber wer nur einen Bogen um den Kadaver fährt,
riskiert den Einschlag eines Adlers in die Frontscheibe...
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Sonstige Hindernisse
Es gibt noch viel mehr Hindernisse, die einem auf den abgelegenen Pisten in Australien
so im Weg sein können. Im Bild sieht man einen Grader, der gerade eine Piste
abrichtet. Die, die wir gesehen haben, wurden alle durch Schilder ("Grader ahead")
angekündigt, aber da sich die Grader nunmal bewegen, hat man das Schild schon fast
vergessen, und nach der nächsten Kurve kommt einem so ein Ding mitten auf der Piste
entgegen. Bei privaten Straßen (zu Farm-Campplätzen oder privaten "Wilderness Camps")
werden meist die eigenen Grader benutzt, und auf die Beschilderung ist hier nicht unbedingt
Verlass.
Bull-Dust ist noch zu nennen: Löcher, die mit einem sehr feinen Lehm-Staub
(meist grau) gefüllt sind. Sieht oft harmlos aus, ist aber sehr weich, und man gräbt
sich sehr leicht ein. Erkennt man ein Bull-Dust Loch rechtzeitig, sollte man es umfahren,
wenn es möglich ist. Ist es so breit wie die Piste, und 50m lang, geht das kaum. Dann
kann man versuchen, mit schlappen Reifen und viel Schwung darüber zu kommen, aber es
ist riskant.
Treibsand haben wir bisher noch keinen auf der Strecke gesehen, kommt aber wohl auch
vor. Und nichts könnte uns bewegen, auf Salz-Krusten zu fahren (was für
andere offenbar nicht gilt, wenn man sich die Reifenspuren ansieht). Für beides gilt:
sehr gefährlich! Wenn man unbedingt darüber muss: niemals langsam werden!
Bei Salzkrusten ist unter der Salzschicht meist nasser Lehm, oft viele Meter tief. Wir haben
gehört, dass eingesunkene Fahrzeuge sehr kostspielig geborgen werden müssen, und
dann doch meist Totalschäden sind...
Viele der unbefestigten Pisten bestehen auf weiten Strecken aus Lehm. Wir sind alle Strecken
in der Trockenzeit gefahren, und da ist der Lehm ein harter Grund, auf dem man recht gut fahren
kann - solange es trocken bleibt. Auf einem Campground(!) haben wir einmal Erfahrung mit nassem
Lehm gemacht: Ein offen gebliebener Wasserhahn hatte eine nasse Stelle hinterlassen, die
eigentlich ganz harmlos aussah. Als wir darüber fuhren, sank unser Auto aber sofort mit
allen Rädern bis zu den Aufbauten ein. Zum Glück fanden wir jemanden mit einem
"Snatch-Strap" (Spezial-Abscheppseil: mindestens 8000kg Bruchlast und 20% Dehnung). Die
Pisten werden übrigens vor dem Graden oft von einem vorausfahrenden Tankwagen gewässert.
Muss man über solch eine nasse Piste fahren, wird man wohl kaum einsinken (nicht genug
Wasser), aber selbst bei 20 km/h sammelt man sehr viel Lehm mit dem Auto auf, und auch das
ist nicht ungefährlich: Das Zeug wird enorm schnell äußerst hart, läßt
sich kaum wieder entfernen. Kommt davon etwas in bewegliche Teile unter dem Auto (wie Bremssattel),
kann es ernste Schäden anrichten. Wird es zusätzlich warm (Bremse), ist es bald
"ziegelhart" gebrannt. Wird eine Piste (z.B. bei Beginn der Regenzeit) richtig nass,
wird die Straße meist sofort gesperrt. Wer trotzdem darauf fährt, zahlt meist 1000$
Strafe pro Rad! Kommt der Regen, während man auf der Piste ist, gibt es nur eins:
Gas geben! Ein Lokal erzählte uns, man habe dann noch etwa 12 Stunden, bis die Piste
völlig unpassierbar ist - "run while you can"!
Straßenschilder
Hört sich komisch an, aber auch auf Gravel Roads gibt es Schilder, solange die
Strecke überhaupt gewartet wird. Die wichtigsten davon sind hier beschrieben.
Grid: Hier kommt ein (horizontales) Vieh-Gatter! Irgendwann haben die Aussies bemerkt,
dass ein quer zur Fahrbahn verlaufendes ebenes Gitter (meist aus dicken Stahl-Profilen)
fast so
gut ist wie ein Tor im Zaun, um zu verhindern, dass die Rindviecher über die Straße
auf die andere Seite des Zauns kommen. Offenbar mögen die Rinder diese Gitter nicht, und
werden es kaum überqueren. Ist natürlich viel bequemer als ein Tor (gibt es
auch), das man zum Passieren mit dem Auto erst öffnen, und dann wieder schliessen muss.
Auf Asphalt-Pisten kann man dieses Schild meist ignorieren, denn diese Gitter sind
glatt in die Fahrbahn eingefügt, und man kann problemlos darüberfahren. Anders auf
Gravel Roads, besonders wenn sie eh schon korrugiert sind: Ein Grid stellt immer eine Engstelle dar,
alle Autos müssen hier also der gleichen Spur folgen. Das ist nicht nur bei Gegenverkehr
gefährlich. Meist ist die Piste vor und hinter dem Gitter sehr stark korrugiert. Da das
Gitter sehr fest verankert ist (meist durch Beton), wird die Piste vor und hinter dem Gitter
stark abgetragen, und es entstehen ernsthafte Stufen. Also: Das Gitter ist meist nicht
gefährlich, sondern die schlechte Piste davor und dahinter. Hilft nur: Tempo drosseln,
nach Schwellen und Löchern schauen, und langsam darüberfahren.
Dip: Senke voraus! Diese haben es manchmal in sich, wenn sie wirklich eine steile
Kuhle darstellen. Durch den höheren Andruck in der Senke ist auch hier die Piste
oft viel schlechter als sonst. Da kann es einem schon die Federung durchschlagen, und
wenn dann noch Steine und Löcher dazukommen, ist der Reifensschaden vorprogrammiert.
Also auch hier: aufpassen, und gegebenenfalls Tempo drosseln, bis man die Stelle wirklich
einschätzen kann. Das Gegenteil vom Dip ist ein -
Crest: Hier kommt also ein "Buckel". Auch hier wird die Piste meist schlechter,
besonders hinter dem Buckel, wo die Autos nach kurzer "Flugnummer" aufsetzen und die
Piste uneben fahren. Die Gefahr beim Crest ist aber mehr, dass man hier oft den Gegenverkehr
nicht einsehen kann, besonders, wenn er in einer Kurve liegt. Also hier möglichst
nicht in der Mitte fahren, und zu starkes Abheben vermeiden.
Geschwindigkeitsempfehlungen: Die Empfehlungen einer bestimmten
Höchstgeschwindigkeit auf gelben Schildern findet man meist vor Kurven oder anderen
Gefahrenstellen. Manchmal kann man sie ignorieren, aber wenn das Schild eine deutlich
niedrigere Geschwindigkeit empfiehlt, als die, mit der man gerade fährt, sollte man
vielleicht doch darüber nachdenken ;-).
Floodway: Flutweg voraus! In der Trockenzeit ist meist kein Wasser bei diesen
Stellen mehr auf der Straße, und man kann normal weiterfahren. Aber trotzdem sollte
man hier ein Auge auf die Strecke haben, denn manchmal hinterlassen die Fluten die Strecke
halt in sehr schlechtem Zustand. Hier muss mit Löchern und Schwellen gerechnet werden.
Resumee
Um Fahrten in den entlegenen Gegenden von Australien unbeschadet zu überstehen
(und sie sogar zu geniessen), sind also eine Reihe von Dingen zu beachten, sowohl auf
Asphalt-Pisten, auf Gravel Roads, oder auf 4WD-Tracks. Das Wichtigste ist aber, dass man
ausgeruht, aufmerksam und vorsichtig fährt: Rechne mit dem Unerwarteten! ;-)