Australien 2023
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31.07.2023 Gibb River Road zum King Edward River - GPS   14° 53,317' S   126° 12,118' E Karte

Panorama
Cockburn Range

Gibb River Road und Kalumburu Road

Wir sind halbwegs zeitig um 9:15 Uhr in Kununurra losgefahren, nächstes Ziel ist Ellenbrae Station. Dort wollten wir eine Nacht verbringen und dann weiter zur Drysdale Station, schon auf der Kalumburu Road Richtung Mitchell Plateau. Zwei heftige River Crossings und viel Corrugation und Steine erwarten uns.

Bis Ellenbrae haben wir es geschafft, und uns dann auf dem Weg vom Roadhouse zum Campground einen Platten geholt. Das hat uns dann noch einen Tag dort festgehalten, aber es war wirklich schön dort.

Bis zur Drysdale River Station sind wir dann am nächsten Tag mit dem Reserverad auch ohne weitere Verluste gekommen. Die GRR (Gibb River Road) war wirklich eine schlimme Rüttelpiste und auf der Kalumburu Road wurde es auch nicht viel besser. Nun, wir sind angekommen.

28.07.23 Gibb River Road

Am Anfang, bis zum Pentecost River, ist die GRR noch asphaltiert und man kommt gut voran. Danach wird es ungemütlich. Steine, Corrugation, kleine oder große Flussdurchfahrten, manchmal kommt man mit 80 km/h voran, dann muss man plötzlich wieder runter auf 10 km/h. Alle, die von Westen kamen, sagten, der östliche Teil sei der schlimmste, im Westen sei schon der Grader durch, da soll es besser werden. Das können wir nur hoffen.

Manche River Crossings sind mehr eine Pfütze, aber der zugehörige Fluss bildet eine wildromantische Landschaft. Bei einigen Flüssen konnte man sogar Seerosen bewundern — leider kein Foto :-(.

Die heftigsten River Crossings waren bisher der Pentecost River, ganz am Anfang der GRR, und der Durack River kurz vor der Ellenbrae Station. Der hohe Wasserstand des Durack River war mit ein Grund, warum die GRR lange Zeit noch gesperrt war.

River Crossings

Den Pentecost hatte ich irgendwie breiter und flacher in Erinnerung, aber die täuscht vielleicht auch. Wir haben die elektrischen Verbindungen zwischen Trailer und Auto gekappt und am Hänger hochgebunden. Auch die Verbindung vom Kabel zur Trailer Batterie hat Ric gekappt. Bei den Steckern am Auto konnten wir nix machen, außer die vorgesehenen Kappen drauf. Sind zwar nass geworden, hat aber danach alles wieder funktioniert. Die Flussdurchfahrt selbst war problemlos, obwohl Ric den Low-Range nicht reinbekommen hat.

Der Durack River war schon eine andere Nummer. Der Wasserstand sollte noch 65 cm tief sein. Diesmal hats auch mit dem Low-Range geklappt, so dass wir langsam, aber stetig durchkamen. Der Grund war voller großer Steine und Löcher, aber immer weiter schieben, bloß nicht anhalten!

Vor lauter Gerumpel habe ich keine Fotos von der Durchfahrt selber machen können, aber Ric hat die GoPro an der Windschutzscheibe und damit ein paar schöne Videos gemacht, da sieht man besser wie das so geht im Wasser.

Corrugation

Die Corrugation kommt in verschiedenen Variationen, weshalb man permanent konzentriert sein muss, um rechtzeitig die Geschwindigkeit anpassen zu können. Die "graue" Corrugation ist meistens ziemlich ebenmäßig, und kann gut mit ca. 60 km/h gefahren werden. Aber auch können plötzlich Steine auftauchen, oder große Löcher. Da sollte man dann langsam sein.

Am schlimmsten fand ich die rote Corrugation, die oft sehr tief ist und dann noch ungleichmäßig. Da brettert man mit 80 km/h drüber, aber muss oft schnell auf 10 km/h abbremsen und ganze Strecken in Schleichfahrt machen. Sonst fliegt garantiert irgendwas auseinander. Toitoitoi, bisher hat sowohl Auto, als auch Hänger samt Innenleben alles heil überstanden. Wenn dann noch spitze Steine dazu kommen, kann man nur noch für die Reifen beten.

Manche Abschnitte snd dann lehmartig, schön glatt, aber haben unvermittelt steile Buckel oder tiefe Auswaschungen. Ist schon anstrengend die Fahrerei, auch als Beifahrer.

28.07.23 Ellenbrae Station

Wir haben heil unser erstes Ziel auf der GRR erreicht, die Ellenbrae Station, wo wir übernachten wollen. Ric parkt, Andrea geht die Übernachtung bezahlen, alles prima. Dann fahren wir zum Campground, rangieren wie immer noch hin und her, bis der Trailer an der richtigen Stelle ist, und fangen an das Zelt aufzubauen. Dann sehen wir, dass in einem Reifen am Auto seeehr wenig Luft drin ist, der ist platt! Muss wohl auf den 2 km vom Roadhouse zum Campground passiert sein. So ein Pech.

Wir haben erst mal unser Zelt fertig aufgebaut und dann mit Hilfe eines freundlichen Nachbarn und seinem "Bottle-Jack" (Wagenheber) den Reifen gewechselt. Am nächsten Morgen hoffnungsvoll zur Werkstatt des Roadhouses gefahren, um den Reifen reparieren oder ersetzen zu lassen. War nix! Da das Loch in der Schulter war, konnte er nicht repariert werden, und obwohl unser Reifen bei ihnen auf der Verkaufsliste stand, war auch nach längerem Suchen keiner aufzutreiben.

Wir hatten zwar noch einen zweiten Ersatzreifen, waren ja aber auch gerade erst am Anfang der GRR. Also hab ich in unserem nächsten Ziel, Drysdale River Station, angerufen und siehe da, die haben unseren Reifen vorrätig. Also stand unserer Weiterreise nichts im Wege, die Alternative wäre gewesen, zurück nach Kununurra zu fahren.

Da uns die Zeit jetzt zu knapp für die Weiterfahrt war, sind wir noch einen Tag geblieben. Ist eigentlich wirklich nett dort. Wo es 2006 nur eine Tonne mit Deckel und ein bisschen Zeltplane drumherum als Klo gab, hatte es jetzt Wassertoilette und sogar warme Duschen (mit Holz befeuert). Es hätte sogar eine Schwimm-Möglichkeit im Campell-River gegeben, haben wir aber nicht genutzt. Alternativ kann man ein Wannenbad buchen (siehe Foto) für 90 AUD tagsüber und 140 AU$ zum Sonnenuntergang. Haben wir allerdings auch nicht genutzt.

Im Cafe der Station gab es leckere Scones mit Marmelade und Sahne und langer Tradition. Ist wohl das Markenzeichen von Ellenbrae. Die Scones und der Kaffee waren allerdings wirklich ausgezeichnet. Sonst gab es nix zu kaufen. Ein Mitarbeiter erzählte uns, dass einige Besucher hier 2 Wochen nicht mehr wegkamen, als der ungewöhnliche Regen die Flusspegel hat steigen lassen. Einer hat sich 'ne Kiste Bier mit dem wöchentlichen Versorgungsflug einfliegen lassen, war wohl teurer, als das Bier selber. Ein anderer hatte mal einen Platten und wollte wohl dringend weiter. Da sein Reifen auch nicht vorrätig war, hat er kurzerhand ein Flugzeug von Kununurra gechartert und sich den Reifen bringen lassen. So dringend nötig hatten wir es dann doch nicht.

30.07.23 Drysdale River Station

Wir haben es bis Drysdale geschafft, ohne weitere Schäden. Jedenfalls haben wir noch keine feststellen können.

Hier ist alles etwas teuerer. Sprit 2,95 AUD, der Reifen nochmal 100 AUD teurer als es in Ellenbrae gewesen wäre. Aber wenigstens gab es hier unseren Reifen, und wir sind wieder komplett! Hier haben wir auch den benötigten Pass für die Fahrt zum Mitchell Plateau bekommen, 100 AUD pro Person für 10 Tage. Sonst gab es nicht viel zu kaufen, FlipFlops, tiefgefrorenes Brot, Eis und ein paar Softdrinks. Leider haben wir nur 3 Flaschen Wasser bekommen, nachdem wir in Kununurra schon keine Kanister, sondern nur Flaschen bekommen haben. Das wird noch lustig. Wir haben zwar 80 L im Trailer-Tank, aber wirklich lecker ist das nicht.

Nachmittags sind wir zum Feuerholz sammeln ein paar Meter die Straße hoch gefahren, da kamen zwei Fußgänger an und fragten, ob es hier zum Drysdale River ginge, da könne man baden. Wußten wir nicht, haben weiter Holz gesammelt und die Zwei sind weiter die Straße hoch gegangen. Als wir fertig waren, sah ich die Zwei in der Ferne immer noch laufen, also sind wir mit dem Auto hin, und haben sie mitgenommen, bis wir an den Fluß kamen. Dort sind sie dann schwimmen gegangen und wir zurück zur Station gefahren. Also für Schwimmen mit Krokodilen (angeblich nur "Freshies") wär mir der Weg eine so staubige Straße lang zu weit! Sie haben wohl wieder zurückgefunden und waren ganz begeistert.

Abends hatten wir auf einen Snack in der Bar gehofft, aber da wir nicht vorgebucht hatten, gab es noch nicht mal Pommes für uns. Naja, ein Bier und ein Glas Wein war zu haben, das haben wir dann im schönen Biergarten genossen und später am Zelt ein paar Nudeln gekocht. Auf der Rückfahrt werden wir Abendessen reservieren!

31.07.23 King Edward River Campground

Zum King Edward River geht es von der Kalumburu Road auf die Port Warrender Road. Der Track war eher noch schlechter als vorher und uns stand ja noch die King Edward River Crossing bevor. Die hatten wir vom letzten Mal in schlechter Erinnerung, weil tief, steinig und alle Sachen in den unteren Fächern nass. Für die ca 110 km bis zum King Edward River Campground haben wir gut 3,5 Std. gebraucht, sind aber angekommen.

Die River Crossing selbst war viel einfacher, als die beiden davor. Flacher und man hat wohl die tiefen Löcher, an die wir uns erinnern, mit kleineren Steinen aufgefüllt. So konnte man halbwegs gerade durchfahren, natürlich wieder mit getrennter Elektrik. Wir hatten diesmal die Fenster offen, und die Geräusche, die uns aus Richtung Hänger entgegen kamen, waren beängstigend. Es hörte sich an, als würden wir eine Ladung Glasscherben gemischt mit Topfdeckeln hinter uns herziehen. War aber nix zu erkennen. Auch als wir das Zelt aufgebaut und den Hänger geöffnet hatten war nix Schlimmes zu sehen. Ein bisschen durchgerüttelt war alles, aber ganz. Sogar die zwei Weinflaschen haben es überlebt. Wir werden beim nächsten Packen noch mehr mit Matten und Poolnudeln puffern. Werden sehen, was passiert beim nächsten Track.

Der Campground am King Edward River ist wirklich schön und im Fluss kann man baden. Es gibt sogar eine Badeleiter ins (allerdings kalte) Wasser. Auch ein paar kleine Wege den Fluss entlang gibt es. Bisher haben wir nur einen kurzen Blick auf den Fluss geworfen, aber das war schon toll. Wir bleiben morgen auch noch hier und haben dann Zeit, alles zu erkunden.

An Wildlife haben wir bisher hauptsächlich Fliegen, Mücken und alle möglichen Vögel gesehen. Weiße Corellas, schwarz-rote Papageien, jede Menge verschiedener Finken und die unvermeidlichen Krähen. Frag mich, wo sich die ganzen Kängurus versteckt halten? Gebadet haben wir dann noch ausreichend im Fluss, war so erfrischend nach dem kleinen Walk zum Wasserfall.

Am nächsten Morgen die nächste Überraschung: Unser rechter Hinterreifen hat einen schleichenden Platten. Nur noch 20 psi statt 45. Ric hat ihn aufgepumpt und bis nach dem Frühstück hat er die Luft gehalten. Wir wagen es, damit loszufahren, nach dem Motto, besser einen eh schon angeschlagenen Reifen kaputt fahren, als einen neuen. Zur Not müssen wir halt unterwegs wechseln!

Eindrücke von der Gibb River Road und dem Weg zum Mitchell Plateau

Rics Kommentar: Ja, vorbei ist es mit dem gemütlichen Cruisen auf Asphalt, mit 90 km/h und eingeschaltetem Tempomat. Jetzt ist Fahren mit höchster Konzentration angesagt. Die rote Corrugation ist wirklich heftig, das zerreißt einen förmlich, wenn man nicht mindesten 80 km/h, oder aber höchstens 10 km/h fährt. Ob es mit Speed geht, hängt von den Hindernissen wie Schwellen, Löchern, Stufen, großen / spitzen Steine ab. Sieht man aber oft erst zu spät, und wenn man dann hart bremst, rappelt sich das Auto in die Corrugation, verwindet sich, springt — das ist echt heftig! Die graue Corrugation geht meist gut ab 40 km/h, schneller mag ich nicht, denn die Graue hat typisch viele große und sehr spitze Steine. Scheint der "gefürchtete" Carson-Basalt zu sein, mehr als 1,8 Milliarden Jahre alt.

Ich bin ständig perplex, dass ein Auto (und seine Reifen) das überhaupt mehr als ein paar Kilometer aushalten kann, aber das tut es — einfach unglaublich. Die Insassen müssen diese Tortur allerdings auch aushalten, möglichst unbeschadet ;-). Das Fahren auf diesen Strecken ist eine Mischung aus Segeln in Welle (ausweichen, schauen was danach kommt, und hinein in die nächste Passage) und Rennfahren (Weg suchen, und nach dem Hindernis gleich wieder aufs Gas, damit einen die Corrugation nicht zerreißt). Dabei haben wir es gar nicht so eilig, aber bei dauerhaft 10 km/h kommen wir halt nicht an vor Sonnenuntergang...

Trotzdem haben Auto und Trailer bisher alles weggesteckt, selbst die Reifen! Den Plattfuß vorne rechts haben wir uns definitiv nach der Ellenbrae Homestead geholt, es gibt ein Foto von dort, wo er noch prall ist. Also auf dem Weg zurück von dort zum "Jackaroo" Campground. Auch da habe ich noch nichts bemerkt, und nach dem Abhängen des Trailers war er echt platt, 0 PSI, also ein recht großes Loch. Es war also nicht die (teilweise reifenmordende) Strecke, sondern der Campground!

Die Crossings waren nicht ohne, aber mit unserem Gerät durchaus zu schaffen. Elektrik macht mir die größten Sorgen, wenn es denn noch tiefer werden sollte. Und das Schalten des Allrad-Getriebes ist schwierig — auch im Handbuch steht, man solle dies und das probieren, wenn der Gang nicht reingeht — ist halt ein Klauengetriebe: nicht einfach zu bedienen, dafür sehr solide. Geht mittlerweile aber schon besser.

Ellenbrae und Drysdale haben sich seit unserm letzten Besuch hier gut entwickelt. OK, es ist teurer und es sind mehr Leute da, aber beide Stations haben sich enorm ausgebaut, so dass es hier doch weitläufig bleibt, nicht wie auf einem Stadt-Campground. Beim Strom für den Komfort (Licht, Wasserpumpen, warmes Wasser) geht man unterschiedliche Wege: Während Ellenbrae auf eine große Solaranlage für den Tag, 15 riesige Lithium-Batterien für die Nacht, und ein den ganzen Tag brennendes Holzfeuer (für warmes Wasser) setzt, läuft in Drysdale ein großer Diesel-Generator rund um die Uhr. Stört etwas die Outback-Stimmung, ist aber eher die "bewährte" Lösung... Trotzdem hat Ellenbraes Wasserheizung mit Holzfeuer solide funktionert: zweimal am Tag kommt jemand und legt große Scheite in das offene Feuer, durch das ein Wasserrohr läuft. Das warme Wasser wird dann in einen Tank gepumpt. War jedenfalls zuverlässiger als die Anlage in Drysdale, die wohl mit Gas läuft.

Ja, jetzt sind wir endlich in den "remote regions", und die Anstrengungen sind es wert! Es ist eine großartige, riesige Wildnis hier, nur unterbrochen von "winzigen" Inseln mit Stations und Campgrounds. Na ja, Ellenbrae und Drysdale sind beide immerhin 60x60 km groß und sind durch eine im Vergleich riesige "wilderness" dazwischen getrennt. Auch am King Edward war es wildromantisch schön, und: die Leute, die man hier trifft, sind ganz anders. Nicht mehr die Schulter an Schulter campenden Caravaner, sondern nur Leute, die auch die Mühen in Kauf genommen haben, und ständig ihre über und über mit rotem Staub bedeckte Ausrüstung warten und reparieren. Also — mir gefällt es hier :-).


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