10.10.06 Mount Eccles NP - GPS 38° 03,4' S 141° 55,4' E
Portland und Mount Eccles National Park
Nächstes Ziel unserer Reise war Portland. Das liegt - wie der Name schon sagt - and
der Küste, und auch dort haben wir uns noch etwas umgesehen. Nordöstlich von
Portland liegt der Mount Eccles National Park. Obwohl wir nicht mehr viel Zeit für
die Rückreise hatten, haben wir uns diesen kleinen Abstecher ins Binnenland noch
geleistet. Der Park in Mount Eccles ist nicht sehr groß, und er ist rundherum umgeben
von bewirtschaftetem Land: Getreide, Viehzucht, Holz-Plantagen. Da wir auf dieser Tour ja
nun schon so einiges gesehen haben, sind wir halt nicht mehr so leicht zu beeindrucken, und
so haben wir von diesem Park eigentlich keine großen Besonderheiten erwartet,
außer ein bißchen Bushcamping vielleicht. Aber wir sollten uns irren :-)
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Portland
und der versteinerte Wald
Aber zunächst ging es nach Portland, wo wir ein paar Tage bei schlechtem Wetter verbracht
haben. Es war kalt und regnerisch. Den Tag mit dem angenehmsten Wetter - kein Regen, aber
starker, sehr kalter Wind - haben wir für einen kleinen Ausflug nach Cape Bridgewater
genutzt. Das liegt westlich von Portland, nicht einmal 20 km entfernt. Zunächst kommt
man zur Bridgewater Bay, eine etwa 10km große Bucht; riesig, wunderbarer Strand, tolle
Brandung - aber eben auch starker und kalter Wind. Daher war dort auch wenig Betrieb, trotz
der nahen Stadt. Die Halbinsel, die die westliche Grenze dieser Bucht bildet, war früher
eine echte Insel vulkanischen Ursprungs. Erst in geologischer Neuzeit haben Sandzungen und
Dünen die Insel mit dem Festland verbunden, weshalb es hier auch heute noch viele
endemische Arten gibt. Auf dieser Halbinsel liegt auch Cape Bridgewater (und noch weitere Kaps),
und hier findet sich auch der Petrified Forest, ein "versteinerter Wald". Vor einigen 10000 Jahren
wuchsen hier Moonah-Bäume, aber später hat der Wind diese Gegend mit Sand und Sedimenten
aus dem Ozean überschüttet. Erosion hat dann irgendwann die versteinerten Bäume
teilweise wieder freigelegt. Heute führt ein Rundweg durch diesen versteinerten Wald, der
direkt an den hohen Küstenkliffs liegt. Und am Fuß dieser Kliffs donnern die
mächtigen Wellen des Southern Ocean gegen die Felsen...
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Im Mt Eccles NP
Allmählich wurde das Wetter wieder besser, und nach 3 Tagen "Stadt" war uns wieder
mehr nach Bushcamping. Eigentlich gibt es in dieser recht dicht besiedelten Gegend aber
gar keinen "Busch", und so sind wir in den Mount Eccles Park gefahren, denn obwohl dies
wohl eher ein Wald ist, hatten wir doch Hoffnung auf Camping in der Natur - vielleicht
zum letzten Mal auf dieser Tour.
Den Park haben wir dann auch gefunden, obwohl wir uns bei der Fahrt durch die bewirtschafteten
Felder kaum vorstellen konnten, dass es hier noch "Natur pur" gibt. Gleich hinter einem
Feld begann dann aber der Park mit Bäumen und einer verlassenen Ranger-Hütte, sowie Park-
und Picknick-Plätzen. Den Campground, den es hier laut Karte geben sollte, konnten wir
aber zunächst nicht finden, bis wir ein Holzschild auf dem Boden liegen sahen, das früher
den Weg zu den Campplätzen anzeigte. Dort haben wir dann unser Camp aufgeschlagen, und das
war eigentlich gar nicht übel: Obwohl unser Platz nur 50m von den Picknickplätzen
entfernt lag, und nur gut 100m vom nächsten landwirtschaftlich genutzten Feld, fühlten
wir uns hier doch "mitten im Wald", denn das Camp stand voll mit hohen Bäumen, und auch
die Wanderwege, die tiefer in den Park führten, begannen gleich hier. Zudem gab es hier
für einen Nationalpark erstaunlich gute Toiletten (mit Beleuchtung, Wasser, und sogar
warmen(!) Duschen), und der Zeltplatz mit seinen mehr als 20 weit verteilten Plätzen
war praktisch leer, bis auf ein einziges Zelt hinter der nächsten Ecke.
Mittlerweile war das Wetter wieder besser. Der frische Wind war erstaunlich warm (die
Zeitungen berichteten ein paar Tage später von Hitzerekorden in dieser Gegend), die
Bäume gaben guten Schutz, und so verbrachten wir zwei wunderschöne Tage im ziemlich
einsamen Camp, wo wir noch spät abends in T-Shirts und Shorts an der gut ausgestatteten
Feuerstelle saßen, und das "Unterhaltungsprogramm" der hiesigen Fauna genossen. Zum
ersten Mal hörten wir hier diesen Laut, der wie eine Kreuzung aus Raubtierknurren und dem
Blöken eines Esels klingt. Konnte das auch einer der vielen "komischen Vögel" sein?
Nein, es war der erste Koala, den wir auf dieser Tour gesehen haben! Er kam träge aus dem Busch
und schaute sich unser Camp an. Dann kletterte er auf einen Baum direkt neben unserem Camper, wo
er den nächsten Tag verbrachte, um uns am nächsten Abend am Lagerfeuer zu besuchen.
Tatsächlich gab es hier eine ganze Reihe Koalas, die vorbeischauten, aber auch Opossums,
Coockaburras (ihr "Lachen" klang hier wie eine wildgewordene Affenbande), und viele andere
bunte Vögel. So war bei uns im Camp immer etwas los :-)
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Lava Cave
Am nächsten Tag haben wir dann die Wanderwege in Mount Eccles erkundet. Diese
Gegend hat eine vulkanische Vergangenheit: Vor etwa 20000 Jahren gab es hier einen
sehr vehementen Vulkanausbruch, der wohl das Leben der hier damals schon wohnenden
Aboriginals sehr verändert haben muss. Nach einer heftigen Explosion ergoß sich
Lava aus zahlreichen Schloten über das Gelände. Einer der vielen
Lava-Kanäle, die es hier gibt, liegt direkt an einem der Wanderwege, und man kann
sogar in die Lava-Höhle hinabsteigen. Im Gegensatz zu Naracoorte ist hier aber nicht
alles gesichert und geführt; am Höhleneingang steht lediglich ein Schild, das
empfiehlt, eine Taschenlampe mitzunehmen. Tropfsteine gibt es hier zwar kaum, aber
die Höhle war trotzdem beeindruckend: Man mag kaum glauben, dass dieser unterirdische
Kanal nicht von Menschen gemacht wurde, sondern von glutflüssiger Lava.
Mt Eccles und Lake Surprise
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Wandern in Mt Eccles
Das Wandern in diesem Park war wirklich angenehm, zudem das Wetter ja wenigstens warm war. Einer
der Wege, die wir gegangen sind, führt entlang des alten Kraterrands um das Gelände
herum, ein anderer verläuft am Ufer des Lake Surprise. Diesen "See der Überraschung",
der drei alte Vulkankrater verbirgt, sieht man im Bild links, wie auch den namensgebenden Mount
Eccles in der Bildmitte. Einer der Rundwege führt auch über den Gipfel des Berges.
Der Aufstieg ist steil, aber nicht wirklich schwierig, und die Fernsicht ist die Belohnung
für die Anstrengung. Aber auch der Weg am Ufer des Sees war sehr schön, es gab
erstaunliche Vögel, die dort leben - Reiher, Kakadus, und viele uns unbekannte Arten, und
auch die Koalas sieht man öfters in den Bäumen sitzen. Tatsächlich hat
Mount Eccles angeblich den größten zusammenhängenden Bestand an Manna-Gums
im Staat Victoria. Und Manna-Gums sind eine Eukalyptus-Art, von dessen Blättern sich
Koalas überwiegend ernähren.
Kurz: Mount Eccles war für uns wirklich eine Überraschung; angenehmes und
einsames Bushcamping, gute Wanderwege, und erstaunliche Tiere... Die zwei Tage, die
wir hier verbracht haben, haben uns sehr gefallen :-)
Bleibt zu erwähnen, dass wir hier wohl das letzte (richtige) Lagerfeuer genießen
konnten (dazu noch bei perfektem Wetter), denn am Tag nach unserer Abreise aus Mount Eccles
wurde der "Total Fire Ban" für Viktoria ausgesprochen, wonach Lagerfeuer
nicht erlaubt sind. Und ab Mitte Oktober sind Lagerfeuer für den Rest des Sommers verboten...
Hier noch ein paar Bilder aus der Gegend um Mount Eccles:
Andrea's Kommentar: Bushcamping inmitten von Kühen, Schafen und Holzwirtschaft. Hätte ich
mir vorher auch nicht vorstellen können. Und dazu war es mal zwei Tage lang warm, welch ein Luxus!
Und ein letztes Campfire gab es auch noch. Konnte nicht besser sein! Manchmal erweisen sich die kleinen
weniger bekannten Ecken als echte Juwele. In Portland hatte uns noch jemand gesagt: "Mount Eccles,
was wollt ihr denn dort, dort gibt es ja gar nichts." Gut, dass wir da waren!